Die Geschichte
„Die Heilung für alles ist Salzwasser – Schweiß, Tränen oder das Meer.“
Isak Dinesen/Karen Blixen
Unsere Geschichte beginnt mit einem Traum: die Welt auf eigenem Kiel zu erkunden.
Zum Glück hat mein Mann diesen Traum von Anfang an geteilt und mich immer unterstützt. Gemeinsam haben wir gespart, Pläne geschmiedet und schließlich ein fast 40 Jahre altes Boot gekauft, ein Schiff voller Charakter, mit eigener Geschichte und mit jeder Menge Arbeit.
Wir übernahmen die Saga in Südspanien und segelten sie Richtung Niederlande. Schon bei der ersten Überführung wurde klar, dass dieser Weg uns fordern würde. Mitten in der Nacht, bei viel Welle, ohne Wind, gab der sehr alte Motor plötzlich seinen Geist auf. Eine Nacht voller Anspannung und Angst, die wir nie vergessen werden. Doch wir kämpften uns durch, arbeiteten als Team und schafften es schließlich aus eigener Kraft in einen Hafen. Zum Glück fanden wir einen alten, bereits überholten Motor, der genau in das Boot passte. Nach dem aufwendigen Einbau setzten wir unsere Reise fort. Auch diese Etappe verlief nicht reibungslos, aber wir kamen an.
Ein TRaum wird wahr
In den Niederlanden begann für uns eine intensive, fordernde und zugleich wunderschöne Zeit des Refits. Wir machten uns die Hände schmutzig und verbrachten jede freie Minute am Boot oder im Baumarkt. Mein Mann erneuerte die komplette Elektrik, zog Kabel, plante, prüfte, verlegte neu. Er erneuerte alle Wasserleitungen und die alten Pumpen. Ich widmete mich den Holzarbeiten und dem Deck, schliff, strich und gab der Saga wieder Wärme und Leben. Stück für Stück wurde repariert, erneuert und seetauglich gemacht. Altes und Bewährtes blieb, alles andere wurde ersetzt.
Mit Schweiß, Herzblut und unzähligen Stunden Arbeit kamen wir unserem Traum immer näher. Nach über einem Jahr Refit waren wir zwar noch nicht fertig, fertig ist man mit einem Boot nie, aber wir hatten Unglaubliches geschafft. Aus einem alten Schiff war wieder ein Zuhause auf dem Meer geworden.
Dann kam der Moment, auf den wir so lange hingearbeitet hatten:
Wir warfen die Leinen los und segelten Richtung Süden.
Von Lelystad ging es nach Amsterdam, weiter nach Den Haag, über die Nordsee nach Dünkirchen, Calais und Boulogne-sur-Mer, hinüber nach Cherbourg, zu den Kanalinseln Alderney und Guernsey, weiter nach Camaret-sur-Mer.
Nach der französischen Küste wagten wir uns hinaus auf die offene See und überquerten die Biskaya, mit Respekt vor Wind und vor allem Welle. Wir nahmen Kurs auf Spanien. Vor uns lagen Camariñas, Muros, Baiona, Vilanova de Arousa, Villagarcía de Arousa. Dann Portugal: Porto, Cascais, Sines, Lagos, Portimão, Olhão, Faro und schließlich hinaus auf den weiten Atlantik nach Madeira.
Fast 2000 Seemeilen liegen jetzt hinter uns. 2000 Meilen voller Hoffnung, Wind, Wellen, Nächte unter Sternen und immer wieder neuer Kraft.
Doch diese Reise verlief anders als geplant. Immer wieder mussten wir unterbrechen, weil sich mein Gesundheitszustand verschlechterte. Es gab Phasen, in denen mein Körper nicht mehr mitmachte. Ich musste ins Krankenhaus, während unser Boot im Hafen wartete.
Irgendwann kam die Diagnose und uns wurde klar, was wir lange nicht wahrhaben wollten: Ich lebe mit einer seltenen, chronischen Erkrankung.
Mit der Diagnose fühlte es sich an, als würde alles enden unser Traum, unser Leben auf dem Meer, unsere Zukunftspläne. Als hätte uns jemand mitten auf dem Ozean den Wind aus den Segeln genommen.
So entstand die Idee zu Sail4hope
Es gab Momente, in denen wir ernsthaft darüber nachdachten, das Boot zu verkaufen. Die Realität war schwer, die Ungewissheit groß und die Angst vor dem, was kommen würde, allgegenwärtig.
Doch tief in mir wusste ich: Ein Traum, für den man so viele Meilen gesegelt ist, verschwindet nicht einfach.
Nach langen Gesprächen, Zweifeln und Rückschlägen trafen wir schließlich eine bewusste Entscheidung: Wir machen weiter. Nicht trotz meiner Erkrankung sondern mit ihr.
Auf unserem Weg haben wir erkannt, dass ein Boot Aufmerksamkeit erzeugt. Menschen bleiben stehen, stellen Fragen, sind neugierig. Genau diese Aufmerksamkeit möchten wir nutzen, um auf seltene Erkrankungen aufmerksam zu machen, Verständnis zu schaffen und Hoffnung zu teilen. Aus diesen Gedanken ist Sail4hope entstanden.